Monatsandacht

Februar und März 2017

Es sei denn, daß jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen. (Joh 3,3)

Das "Reich Gottes" ist Gottes ewige, heilige und heilvolle Welt. Im Reich Gottes ist alles gut und heil. Wer im Reich Gottes ist, etwa die Engel, kann und darf in der Nähe des heiligen dreieinigen Gottes sein, lebt ihm voller Lob und Dank. Im Reich Gottes gibt es keine Sünde, keinen Widersacher, kein Unrecht, nichts Böses, deshalb auch keinen Tod, Schmerz, Krankheit, Leid u.ä. Alles ist dort voll der Ehre Gottes samt dem umfassenden Heil seiner Geschöpfe, die dort sein dürfen.

Wer wollte da nicht dazugehören, hineingelangen, Bürgerrecht haben im Reich Gottes? Was Gott uns durch sein Wort über sein herrliches Reich offenbart, ist eine einzige Einladung, sich in sein Reich hinein retten zu lassen. Und der König des Reiches Gottes, Jesus, ist selber gekommen, damit das möglich wurde.

Wie aber können wir in dieses Reich Gottes kommen, wir, die wir Sünder sind, gottvergessen, eigenmächtig gegen ihn, ihm ungehorsam und vielfach verschuldet, unter seinem Zorn und Gericht? Wie können wir in das Reich Gottes kommen?

Jedenfalls nicht durch unsern Tod. Mit dem Tod ist es zu spät dafür. Da stehen wir vor Gott. Da kommt das Jüngste Gericht und sein endgültiges und gerechtes Urteil über uns.

Eintritt in das Reich Gottes ist nur möglich, solange wir hier leben. Und nicht einmal das, sondern nur dann, wenn wir von Gottes Heils-einladung in seinem Wort getroffen sind und dann nicht ausweichen, sondern die rettende Einladung alsbald annehmen und dem König des Reiches Gottes, Jesus Christus, anhängen und nachfolgen in geschenktem Glauben an ihn. Töricht und gefährlich ist es deshalb, dem Wort Gottes fernzubleiben und dadurch den Zugang zum Reich Gottes zu verpassen.

Nikodemus, ein Oberer der Juden, war durch das Wort Jesu ange-sprochen und unruhig geworden. Jesus verkündigte das Reich Gottes. Ja, dazu wollte Nikodemus auch gehören. Gern wollte er ins Reich Gottes kommen, aber wie?

Er tat das einzig Richtige: Er ging zu Jesus hin, um ihn selbst zu fragen. Zwar ging er bei Nacht zu Jesus, aus Furcht vor denen, die Jesus ablehnten. Aber er ging! Die Unruhe über die Ewigkeit und den heiligen Gott ließ ihn nicht los.

Auch den reichen Jüngling trieb die Frage um: "Guter Meister, was soll ich tun, damit ich das ewige Leben ererbe?" (Mk 10,17)
Ach, wenn diese Unruhe um ihr Heil doch viele bei uns ergriffe! Solange sie noch ins Reich Gottes kommen könnten! Wie kann ich jetzt in das Reich Gottes kommen?

Und die Antwort: So, wie wir sind, können wir nicht hineinkommen. Der Apostel Paulus sagt: "Fleisch und Blut können das Reich Gottes nicht ererben." (1. Kor 15,50; vgl. Röm 8,1ff) Aber wir sind doch Fleisch und Blut! Und zwar "Fleisch und Blut" hier nicht gemeint im Sinne von: Geschöpfe, sondern im Sinne von: Sünder.

Also geht es nicht. Und alle religiösen und anderen Erlösungsversuche und –angebote können daran nichts ändern. Gar nichts.

Das macht auch Jesus in seiner Antwort an Nikodemus klar, zeigt ihm aber auch den Weg des Heils Gottes, den einen Weg in das Reich Gottes: "Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, daß jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen." (Joh 3,3)
Eine neue Geburt ist uns notwendig! Das Geschenk eines neuen Lebens an uns! Wie kann das geschehen?

Geboren wird man (Passiv). Da ist keinerlei eigenes Tun. Das neue Leben gibt es nur als Geschenk und Tat Gottes – und zwar durch Jesus, den Sohn Gottes. "Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden." (2. Kor 5,17)

Im Jubiläumsjahr der Reformation (und auch sonst) können wir es so formulieren: Das Heil Gottes, Eingang zu seinem Reich und Anteil am Reich Gottes empfangen wir: allein aus Gnade, um Christi willen, durch den Glauben (sola gratia, solus Christus, sola fide).

Das Gespräch Jesu mit Nikodemus ging noch weiter: "Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, daß jemand geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Was vom Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; und was vom Geist geboren ist, das ist Geist. Wundere dich nicht, daß ich dir gesagt habe: Ihr müßt von neuem geboren werden." (Joh 3,5-7)

Geboren werden aus Wasser und Geist: Hier ist Gottes rettendes, neuschaffendes Handeln am Menschen angedeutet: in der Taufe (vgl. Titus 3,4-8) und im Geschenk des Glaubens an Jesus (vgl. 1. Joh 5,1), von Gottes heiligem Geist durch das Wort Gottes (vgl. 1. Petr 1,23) bewirkt.

"Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muß der Menschensohn erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben." (Joh 3,14f)

Nikodemus kam zum Glauben an Jesus und bekannte sich auch mutig zu ihm. So beteiligte er sich auch an der Beisetzung seines gekreuzigten Herrn am Abend des Karfreitag (Joh 19,39). Kurz später wird auch er unter denen gewesen sein, denen der auferstandene Herr Jesus Christus, der Sieger über Teufel, Sünde und Tod, begegnet ist.

"Von neuem geboren", ein neues Leben, Bürgerrecht im Himmel – die Freude und der Jubel derer, denen das geschenkt ist, erklingt z.B. in 1. Petr 1,3ff: "Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten, zu einem unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das aufbewahrt wird im Himmel für euch, die ihr aus Gottes Macht bewahrt werdet zur Seligkeit ..."

Es grüßen Sie, liebe Gemeindeglieder, herzlich
Ihr Pfarrer Hamel, Mitarbeiter und Kirchvorsteher

mit dem Lied  EG 349:

1. Ich freu mich in dem Herren
aus meines Herzens Grund,
bin fröhlich Gott zu Ehren
jetzt und zu aller Stund,
mit Freuden will ich singen
zu Lob dem Namen sein,
ganz lieblich soll erklingen
ein neues Liedelein.

2. In Sünd war ich geboren,
sündlich war all mein Tun,
nun bin ich neu geboren
in Christus, Gottes Sohn.
Der hat mir Heil erworben
durch seinen bittern Tod,
weil er am Kreuz gestorben
für meine Missetat.

3. All Sünd ist nun vergeben
und zugedecket fein,
darf mich nicht mehr beschämen
vor Gott, dem Herren mein.
Ich bin ganz neu geschmücket
mit einem schönen Kleid,
gezieret und gesticket
mit Heil und G'rechtigkeit.

4. Dafür will ich ihm sagen
Lob und Dank allezeit,
mit Freud und Ehren tragen
dies köstliche Geschmeid,
will herrlich damit prangen
vor Gottes Majestät,
hoff darin zu erlangen
die ewge Seligkeit.